Ulmer/Neu-Ulmer Erklärung für eine menschenrechtliche und solidarische Flüchtlingspolitik

  • Posted on: 1 August 2018
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Auf Initiative des Fördervereins für das Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm (BFU) sowie von Amnesty International Ulm/Neu-Ulm haben bisher 62 Organisationen, Vereine, Gruppen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft eine „Ulmer und Neu-Ulmer Erklärung für eine menschenrechtliche und solidarische Flüchtlingspolitik“ unterzeichnet.Die Erklärung richtet sich gegen die Ausgrenzung und Diffamierung von Menschen auf der Flucht und ruft zu einer Stärkung der Zivilgesellschaft auf, um Hass und Gewalt in diesem Land ein Ende zu setzen, die Grund- und Menschenrechte zu bewahren und das Völkerrecht zu verteidigen. Insbesondere wird dazu aufgerufen, sich aktiv in den Menschenrechtsorganisationen und Flüchtlingshelfer-Kreisen zu engagieren.


Kontakte:
Förderverein für das BFU, Info: www.foerderverein-bfu-ulm.de, info@foerderverein-bfu-ulm.de
Amnesty International Ulm/Neu-Ulm, Info: www.amnesty-ulm.de, kontakt@amnesty-Ulm.de
Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm/Neu-Ulm (sucht vor allem ehrenamtliche „Patinnen und Paten“ zur Unterstützung der Sozialarbeit): Telefon 0731 – 88 07 08 90, E-Mail: bfu@rehaverein.de


Ulmer/Neu-Ulmer Erklärung für eine menschenrechtliche und solidarische Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa

„Wir haben unser Zuhause und damit die Vertrautheit des Alltags verloren“, schrieb die deutsche Philosophin Hannah Arendt im Januar 1943 in einem Aufsatz mit dem Titel „Wir Flüchtlinge“. Und weiter: „Die Hölle ist keine religiöse Vorstellung mehr und kein Phantasiegebilde, sondern so wirklich wie Häuser, Steine und Bäume.“ Hannah Arendt war vor dem nationalsozialistischen Terror geflohen und musste nun erfahren, was es heißt, Flüchtling zu sein; was dabei alles verloren geht, was zerstört wird. Aber: Sie war gerettet, hatte Zuflucht in einem Land gefunden, dessen Grenzen sie schützten.

Heute müssen wir erleben, dass in einem Land, aus dem Hannah Arendt einst ge-flohen war, Menschen als „Asyl-Touristen“ diffamiert werden und Menschen, die ihnen helfen wollen, als „Anti-Abschiebe-Industrie“. Menschen, die ihre Heimat wegen Krieg, Terror, Menschenrechtsverbrechen, sozialer und/oder wirtschaftlicher Not und Ausbeutung verlassen müssen, finden an den europäischen Grenzen keinen Ort der Zuflucht mehr, sondern einen Ort der Abschreckung, des Stacheldrahts – und des Todes.

Die Abschreckung, die Ablehnung und Abwehr, die sprachliche und politische Um-wandlung von Menschen in Zahlen und Statistikgrößen, die Entwicklung eines kollektiven europäischen Asylverweigerungssystems, der Aufbau von Orten des Elends und der Entrechtung, die Pakte mit diktatorischen Machthabern und auto-ritären Regimes, die sich freikaufen von Kritik oder Sanktionen für ihre Verbrechen, all das zeigt sich als Abgesang auf die sonst so oft beschworenen europäischen Werte: auf Menschenrechte, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit. In diesem Rahmen erleben wir keine „Flüchtlingskrise“, sondern eine fundamentale Menschen-rechtskrise.

Die gegenwärtigen Angriffe richten sich nicht allein gegen Menschen auf der Flucht. Sie richten sich gegen die zivile Gesellschaft und die Universalität der Menschen-rechte schlechthin.

Diesen Entwicklungen setzen wir in der Region Ulm/Neu-Ulm entgegen: die Idee – und die Realität – der Menschenrechte, der Menschenwürde und der Rechtsstaat-lichkeit. Wir brauchen ein offenes, ein ehrliches, ein freundliches – kurz: ein mensch-liches Land. Wir brauchen eine gestärkte Zivilgesellschaft, um mit Toleranz und Zivilcourage dem Hass und der Gewalt in diesem Land ein Ende zu setzen, unsere Grund- und Menschenrechte zu bewahren und das Völkerrecht zu verteidigen.

Es genügt nicht mehr, auf die Erosion der Menschenrechte in unserem Land mit bloßer Betroffenheit oder Kopfschütteln zu reagieren. Wir rufen dazu auf, der Zivil-gesellschaft den Rücken zu stärken, aktiv an ihr mitzuwirken und die Menschen-rechtsorganisationen und Flüchtlingshelfer*innen zu unterstützen. Kein „Staats-notstand“ bricht aus, wenn Menschen auf der Flucht sind. Aber Staatsnotstand bricht aus, wenn Menschen bei uns zum Freiwild werden. Es geht um die Fundamente unseres Zusammenlebens – in Ulm, Neu-Ulm und anderswo.

 

Erstunterzeichner:

  • AfroDeutsches Forum e. V. Ulm
  • AG West e. V., Verein für Jugendhilfe und soziale Arbeit im Ulmer Westen
  • AK Flucht&Asyl, Uni Ulm
  • Amnesty International Ulm/Neu-Ulm
  • Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Ulm e. V.
  • Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm
  • Behindertenstiftung Tannenhof
  • Bündnis für eine agrogentechnikfreie Region (um) Ulm
  • Bündnis Menschenrechtsbildung e. V.
  • Bündnis STOP TTIP, CETA, TISA, MERCOSUR, JEFTA Alb-Donau-Iller für einen gerechten und fairen Handel
  • BUND-Regionalverband Donau-Iller
  • Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge
  • und Folteropfer – BAfF e. V.
  • Caritas Ulm-Alb-Donau
  • Chor Kontrapunkt Ulm e. V.
  • DEAB – Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e. V.
  • DER PARITÄTISCHE Kreisverband Ulm/Alb-Donau
  • DGB Hochschulgruppe Uni Ulm
  • DGB Südwürttemberg
  • Diakonieverband Ulm/Alb-Donau
  • Diakonisches Werk Neu-Ulm e. V.
  • Evangelisches Bildungswerk Alb-Donau mit Medienstelle (EBAM)
  • Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für alle Mitarbeitenden in den trauma- und fluchtbezogenen Projekten
  • Festival Contre Le Racisme Ulm
  • Flüchtlingsrat Ulm/Alb-Donaukreis e. V.
  • Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e. V.
  • Forum Migration Ulm
  • Freiwilligenagentur „engagiert in ulm“ e. V.
  • Freundeskreis Asyl Elchingen
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Südwürttemberg
  • Dekan Ernst-Wilhelm Gohl für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
  • (ACK) Ulm/Neu-Ulm
  • Haus Unterm Regenbogen ­– Verein Eine Welt & Erinnerungsarbeit Herrlingen e. V.
  • Helferkreis Erbach e. V.
  • Initiative „Stopp Abschiebung“
  • Interkultureller Garten Ulm
  • Internationaler Bund e. V., Region Schwaben
  • IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V., Region Süd/Ulm
  • Katholische Kirchengemeinde St. Georg, Ulm
  • Katholische Kirchengemeinde St. Michael zu den Wengen, Ulm
  • Lateinamerika-Komitee e. V. Ulm
  • lokale agenda ulm 21
  • LWV.Eingliederungshilfe GmbH, Tannenhof Ulm
  • Nachhilfe für erwachsene Geflüchtete, Uni Ulm
  • NaturFreunde Ulm e. V.
  • Offene Kirche Ulm/Blaubeuren
  • Partnerschaft Ulm-Tukuyu (Tansania)
  • Politischer Stammtisch Ulm/Neu-Ulm
  • Refugio Villingen-Schwenningen e. V. – Psychosoziales Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge
  • RehaVerein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e. V. 
  • Stiftung Menschenrechtsbildung Ulm
  • terre des hommes Deutschland e. V./AG Ulm-Neu-Ulm
  • Tibet Initiative Deutschland e. V., Regionalgruppe Ulm/Neu-Ulm
  • Kirsten Tretter, Eine-Welt-Regionalpromotorin Ulm
  • Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW
  • Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e. V.
  • Ulmer LEA Leseklub
  • Ulmer Netz für eine andere Welt e. V.
  • ver.di Bezirk Ostwürttemberg-Ulm
  • Verein für Friedensarbeit e. V.
  • Verein Ulmer Weltladen e. V.
  • Welcome Café Hochschulgruppe Uni Ulm
  • Zentrale Bürgeragentur (ZEBRA) e. V. Ulm
  • Zugvögel, Grenzen überwinden e. V. Ulm

Weitere Unterzeichner (Organisationen):

  • Bündnis Kirche für Demokratie und Menschenrechte in Württemberg
  • Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Neu-Ulm
  • Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Ulm
  • Bürgerinitiative Wippingen gegen Gentechnik in Landwirtschaft und
  • Lebensmitteln e. V.
  • Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Ulm/Neu-Ulm
  • Die Linke, Ulm/Alb-Donau
  • Freundeskreis Afrika e. V., Schwäbisch Hall
  • FWG-Stadtratsfraktion Neu-Ulm
  • HDB Deutsch-Türkischer Kulturverein Ulm/Neu-Ulm e. V.
  • Kulturbuchhandlung Jastram, Ulm
  • SPD Kreisverband Neu-Ulm
  • SPD Stadtratsfraktion Neu-Ulm
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Ulm

Einzelunterzeichner/innen:

  • Prof. Dr. Richard Böker, Stadtrat Bündnis 90/Die Grünen, Ulm
  • Karl-Heinz Brunner, MdB SPD, Neu-Ulm
  • Oberbürgermeister Gunter Czisch, Ulm
  • Jürgen Filius, MdL Bündnis 90/Die Grünen, Ulm
  • Daniel Fürst, Landtagskandidat SPD, Neu-Ulm
  • Antje Esser, Stadträtin SPD, Neu-Ulm
  • Eva-Maria Glathe-Braun, Sprecherin Die Linke, Ulm/Alb-Donau
  • Dr. Karin Graf, Stadträtin CDU, Ulm
  • Wilhelm Hölkemeier, Journalist, Ulm
  • Ulrich Hoffmann, Stadtrat ÖDP, Weißenhorn und KAB-Präses, Kreisverband
  • Donau-Iller und Senden
  • Karl-Heinz Irgang, Blaubeuren
  • Michael Joukov, Stadtrat Bündnis 90/Die Grünen, Ulm
  • Rainer Juchheim, Stadtrat Bündnis 90/Die Grünen, Neu-Ulm
  • Günter Kammerer, Stadtrat SPD, Neu-Ulm
  • Dr. Thomas Kienle, Stadtrat CDU, Ulm
  • Prof. Dr. Ulrich Klemm, Verleger, Ulm
  • Peter Langer, Direktor der Europäischen Donau-Akademie, Ulm
  • Eberhard Lorenz, ehemaliger MdL SPD, Ulm
  • Hilde Mattheis, MdB SPD, Ulm
  • Xaver Merk, Mitglied im Parteivorstand DIE LINKE, Senden
  • Reinhart Müller, Alt-Stadtrat SPD, Ulm
  • Martin Rivoir, MdL SPD, Ulm
  • Lisa Schanz, Altstadträtin SPD, Ulm
  • Andrea Schiele, Vorsitzende der VVN-BdA, Kreisvereinigung Ulm
  • Doris Schiele, Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen, Ulm
  • Patrick Steiner, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, Neu-Ulm
  • Günter Stiffel, BandsGegenRechts, Neu-Ulm 
  • Annette Weinreich, Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen, Ulm